Handarbeit – Werken – Technik

Handarbeit

Das Erleben der Schönheit im schulpflichtigen Alter ist für die Entwicklung des Kindes, für sein späteres Leben von großer Bedeutung.

„Wir können diese freie Ausbildung fördern, wenn wir ein möglichst umfassendes Empfinden für das Schöne an die Schüler heranbringen.“ Dazu ist er am empfänglichsten im schulmäßigen Alter. Deshalb müsste eigentlich alles darauf angelegt sein, den Menschen in das Empfinden, in das Erleben der Schönheit gerade zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife hineinzuführen. Dann wird er das für das spätere Lebensalter behalten.“

Rudolf Steiner

An der Ita Wegman-Schule werden Jungen und Mädchen gleichermaßen im Fach Handarbeit unterrichtet, um die Geschicklichkeit der Hände zu vergrößern und sie in ihren gestalterischen Fähigkeiten zu fördern. Der Umgang mit hochwertigen, natürlichen Materialien und schönen Farben soll die Phantasiekräfte der Kinder anregen und ihnen Freude an der Arbeit bereiten. Dabei entstehen schöne, nützliche Kleinigkeiten und sinnvolle Gegenstände. Im Hintergrund steht die Anregung möglichst vieler Sinne ( R. Steiner spricht von zwölf Sinnen).

In der Unterstufe beginnen die Schüler  mit kleinen, einfachen Strickarbeiten, welche gut vorbereitet werden durch z.B.: Fingerspiele oder Spaßstricken, wobei sich der rechte Zeigefinger auf den linken Daumen legt und dann der linke Zeigefinger sich zum rechten Daumen bewegt, dies wird ständig wiederholt  und ein kleiner Spruch dazu gesprochen. So entstehen z.B.: kleine Stricktierchen, ein kleines Püppchen und ein Puppenbett dazu.

Ab der zweiten Klasse lernen die Kinder häkeln. Zuerst wird eine lange Luftmaschenkette gehäkelt und ein Puppentopflappen oder schon ein großer Topflappen für die Eltern. Natürlich wird ihnen die Arbeit wieder bildhaft vermittelt. Es werden Ball-oder Einkaufsnetze gearbeitet, ein farblich gestalteter Schatzbeutel und evtl. zwei Topflappen.

Die Hauptanliegen für den Handarbeitsunterricht in den beiden unteren Klassen zusammengefasst:

  • Er soll die Sinne, vor allem den Tastsinn und den Schönheitssinn der Kinder ausbilden.
  • Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten   wachsen lassen.
  • Die Geschicklichkeit und damit die Denkfähigkeit üben und ausbilden.
  • Er soll das Kind über die Arbeit „konzentrieren.“
  • Er soll den verantwortungsvollen Umgang mit dem Material üben.
  • Er soll ein Vertrauensverhältnis zwischen Kind und Erwachsenen schaffen.
  • Er soll das soziale Miteinander im Arbeitsprozess veranlagen.

Traditionelles Thema in der Handarbeit des dritten Schuljahres ist das stricken und häkeln größerer Gebrauchsgegenstände, wie z.B.: Mützen. Daran werden erlernte Techniken weiter  geübt. Die Phantasiekräfte des Kindes bekommen großen Spielraum bei der Herstellung von Kasperlpuppen.

Nach den Arbeiten in den ersten drei Schuljahren ist das Kind im vierten Schuljahr dann imstande, ein größeres  Objekt – etwa eine Tasche für die Handarbeit, für Frühstück oder dergleichen, herzustellen, an dem das exakte Nähen erlernt wird und diese auch mit künstlerischem Schmuck sinnvoll zu versehen. Die Stickerei auf der Tasche gibt dem Kinde Gelegenheit, seine Eigenart zum Ausdruck zu bringen. Intellektuell schwach begabte Kinder werden durch das Kreuzstich-Sticken gefördert, besonders, wenn sie zu einer bereits von ihnen gestickte Form noch die symmetrische hinzufinden müssen. Die Bewusstheit erfährt durch diese Arbeit des kreuzweise Übereinanderlegens der Stiche eine Erhöhung.

In der fünften Klasse lernen die Schüler Strümpfe und Handschuhe zu stricken. Mit dem sogenannten „Nadelspiel“ muss erstmal ein räumliches Gebilde geschaffen werden. Alles an dieser Strickarbeit   hat stark aufweckenden Charakter:

  • der ständige Wechsel von linken und rechten Maschen an der Stulpe.
  • das Beibehalten der gleichen Strickrichtung.
  • die komplizierten Arbeitsgänge an der Ferse und Fußspitze.
  • Vernähen und Stopfen
  • die Wiederholung am zweiten Strumpf, wo alles aus dem Gedächtnis heraufgeholt und selbstständig angewandt werden muss.
  • Kopfkräfte und Merkfähigkeit sind gefordert.

In der sechsten Klassenstufe ist das Thema in der Handarbeit Tiere-und / oder Puppennähen. Wesentlich an dieser Arbeit ist es, den Puppen einen „seelischen Ausdruck“ zu geben und beim Tier etwas typisches Wesenhaftes in Gestalt und Bewegung erscheinen zu lassen.

In der siebten und achten Klasse lernen die Schüler, je nach Möglichkeit, den Umgang mit der Nähmaschine. Verschieden Nähte und eine erste    kleine Näharbeit, wie z.B.:   ein Handarbeitsbeutel für die Kleinen, sind Themen. Für fortgeschrittene Schüler ist die Arbeit eines Kissenbezuges in Patchworktechnik  oder eine Küchenschürze das Thema, u.v.a.

Abschluss:

Die Grundfähigkeiten des Gestaltens vermitteln die musischen, handwerklichen Fächer. Diese Fähigkeiten, Handlungskompetenzen werden heute nur noch selten im Elternhaus erworben und gehören daher in die Schule. Die Schule hat den ganzheitlichen Bildungsauftrag vom Gesetz her übertragen bekommen und ist somit verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen.

Nehmen wir die Herausforderung  an!

Die Holzarbeit

Neben der Theorie soll die praktische Tätigkeit einen körperlichen Ausgleich schaffen. Viele Schüler haben zu Fächern wie Werken und Handarbeit einen leichteren Zugang. Dabei bemerken sie kaum, wie viel von der gelernten Theorie in die Tätigkeit mit einfließt. Bei der Holzarbeit am sogenannten Stopfei muss stets Maß genommen werden. Der Winkel der Bearbeitung mit der Raspel spielt eine wichtige Rolle. Proportionen sollten stets im Auge behalten werden und die Umsicht auf 360° verhilft dem Ei zu einem gleichmäßigen Erscheinungsbild. Die Abstufungen einer jeden Arbeit von der groben Einteilung bis zum „Feinschliff“ werden hier von der Raspel über die Feile bis zu den verschiedenen Körnungen des Schleifpapiers praktisch angewendet.

Christian Lorenzoni, Klassenlehrer